Jede kritische Infrastruktur hat einen produktiven Lebenszyklus. Das Kohlekraftwerk W.H. Sammis, das 1960 erstmals Strom erzeugte, leistete der Gemeinde Stratton im Osten Ohios über seine mehr als 60-jährige Betriebszeit hinweg wertvolle Dienste. Schließlich war es jedoch an der Zeit, die 2,2-Gigawatt-Technologie der Vergangenheit stillzulegen und das Gelände zu einem modernen Campus für Energie und Rechenzentren umzugestalten – einschließlich einer großskaligen Energieerzeugung vor Ort sowie Batteriespeichersystemen zur Speicherung erneuerbarer Energien.
Nach der offiziellen Stilllegung im Jahr 2023 führt das Unternehmen B&B Wrecking aus Cleveland die Abrissarbeiten an den sieben Kraftwerksblöcken, fünf Schornsteinen und mehreren Schlauchfilteranlagen auf dem Gelände durch. Die meisten Bauwerke werden durch eine Reihe kontrollierter Sprengungen gezielt zu Fall gebracht, was den Einsatz kleinerer Krane – bis hin zu Raupenkranen der 700-Tonnen-Klasse – für die anschließende Zerlegung und den Abtransport ermöglicht.
Mehrere Schlauchfilteranlagen befinden sich jedoch auf einer Brückenkonstruktion, die oberhalb der Ohio Route 7 entlang des Ohio River verläuft. Der Rückbau dieser Anlagen erfordert äußerste Präzision, um die Sicherheit zu gewährleisten.
„Aufgrund der enormen Größe, des Gewichts und der möglichen Auswirkungen auf verschiedene Interessengruppen handelt es sich hierbei eher um einen Rückbau als um einen bloßen Abriss“, erklärt Bryan Donatelli, Projektleiter von B&B Wrecking vor Ort. „In unserer unmittelbaren Umgebung befinden sich empfindliche Anlagen, die für die Infrastruktur von großer Bedeutung sind. Wir müssen den Verkehr, die umliegenden Stromleitungen, die an das Kraftwerk angrenzenden Gewässer sowie die Bahninfrastruktur schützen.“
Dies erforderte, dass die Schlauchfilteranlagen und andere Bauteile in der Höhe zerlegt und anschließend zu Boden gebracht werden mussten. Das Gewicht und die Größe der Filteranlagen – im Bereich von 230 Tonnen – stellten eine Herausforderung dar; zudem sollte der Umfang der Schneidarbeiten in der Höhe minimiert werden, um die Sicherheit auf der Baustelle zu erhöhen. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren boten die von Maxim Crane Works (Wilder, Kentucky) bereitgestellten Raupenkrane der Klasse bis 700 Tonnen weder die nötige Reichweite noch die erforderliche Tragfähigkeit, um derartige Lasten wirtschaftlich zu heben.
Da Maxim Crane nicht über den passenden Kran in seiner Flotte verfügte, suchte B&B zunächst anderweitig nach einer Lösung für dieses anspruchsvolle Rückbauprojekt. „Wir bieten Raupenkrane mit Tragfähigkeiten von 30 bis 2.300 Tonnen an“, sagt Greg Bellcoff, Vizepräsident für den Fuhrpark bei Maxim Crane. „Dennoch hatten wir eine Lücke im Bereich zwischen 1.000 und 1.300 Tonnen.“ Dies hatte zur Folge, dass dem Anbieter von Schwerlastlösungen wichtige Aufträge in den Bereichen Großinfrastruktur, Industrie, Trägermontage, Windkraft und Stahlbau entgingen. Das änderte sich, als die Unternehmensverantwortlichen von einem neuen Kran-Modell von Tadano erfuhren, das sich hervorragend für dieses Projekt eignete.
Die richtige Wahl
„Wenn wir über Investitionen in neue oder größere Maschinen für unsere Raupenkranflotte entscheiden, betrachten wir die aktuellen Branchentrends, die Nachfrage, die Wünsche unserer Kunden und wie all das mit unserer Strategie harmoniert“, erklärt Dan Murray, VP of Crawler Cranes bei Maxim Crane. „Ausschlaggebend für die Wahl des CC 78.1250-1 waren vor allem seine hohe Tragfähigkeit, seine Flexibilität und der einfache Transport.“
Maxim Crane ist ein großes Logistikunternehmen, das seine Maschinen selbst transportiert. Auch wenn die Anschaffung des CC 78.1250-1 – eines Krans der 1.250-Tonnen-Klasse – einen deutlichen Sprung in der Größenordnung darstellte, mussten keine neuen Tieflader für den Krantransport angeschafft werden. „Gewicht und Abmessungen passen hervorragend zu unserer Schwertransportflotte“, sagt Bellcoff. Murray ergänzt: „Er fügt sich gut in unseren Fuhrpark ein und erfüllt die Anforderungen unserer Kunden.“
Obwohl der Kran für das W.H.-Sammis-Projekt ideal war, stieß Maxim Crane bei der Auftragsvergabe zunächst auf Hürden. „Ursprünglich hatte B&B Wrecking geplant, mit einem anderen Krananbieter zusammenzuarbeiten, der eine ähnliche Option anbot“, erinnert sich Murray.
Die Verantwortlichen bei B&B waren jedoch offen für Alternativen. Laut Donatelli bot Maxim Crane dem Unternehmen B&B das beste Gesamtpaket in Bezug auf die Ausrüstung und die Planung der Krananlieferung. „Sie waren bereit, für unsere Anforderungen neue Ausrüstung anzuschaffen. Das hat sie im Entscheidungsprozess ganz nach vorne gebracht.“
Da es sich um den ersten Einsatz des ersten CC 78.1250-1 handelte, stellte die Vorabplanung der Hübe eine weitere Herausforderung dar. „Da wir den Kran noch nicht vor Ort hatten, benötigten wir Unterstützung bei der Berechnung von Traglasten und Bodendrücken, zumal ein Teil des Projekts eine Überbrückung der Staatsstraße vorsah“, erklärt Bellcoff.
„Wir haben uns sehr gefreut, mit dem Team von Maxim Crane zusammenzuarbeiten, den Auftrag zu durchleuchten und die passenden Konfigurationen für eine sichere und wirtschaftliche Durchführung der Hübe zu ermitteln“, sagt Lance Rydbom, VP of Product Management/Global CC bei Tadano Pan America. Murray fügt hinzu: „Es war eine echte Partnerschaft zwischen uns und Tadano. Sie haben uns dabei geholfen, diesen ersten Auftrag an Land zu ziehen.“
Weltweit erste Auslieferung
Nachdem der Auftrag gesichert war, ließ Maxim den Kran direkt zur Baustelle des Projekts W.H. Sammis in Stratton liefern. „Wir begannen Anfang Februar mit der Montage“, erinnert sich Patrick Steiner, Kranführer bei Maxim Crane. „Das war unsere erste Erfahrung mit dem CC 78.“
Ob erste Erfahrung oder nicht – der Kran musste effizient montiert werden, um den straffen Zeitplan einzuhalten. „Bei der Vorbereitung der Bauteile gibt es keine Leerlaufzeiten; der Zeitplan ist sehr eng getaktet und auf hohe Produktivität ausgelegt“, erklärt Donatelli. Steiner ergänzt: „Tadano schickte vier Mitarbeiter zur Unterstützung auf die Baustelle, und man merkte ihnen an, dass sie ihre Arbeit lieben. Sie verfügten über großes Fachwissen und waren beim Aufbau sowie bei der Einweisung in die Bedienung des Krans eine große Hilfe.“
Die einfache Transportierbarkeit und Montage erwiesen sich als klare Vorteile des CC 78.1250-1. Er passt perfekt in den Standard-Fuhrpark des Unternehmens; Murray merkt dazu an: „Es gibt keine Übermaße oder Übergewichte, die wir nicht bewältigen könnten. Alle Komponenten lassen sich auf sehr handliche Größen und Gewichte zerlegen, was den Transport erleichtert.“
Dazu gehört auch das für das Projekt erforderliche „Boom Booster“-Kit, das die Tragfähigkeit des Krans um bis zu 30 % erhöht. „Obwohl das System im Betrieb eine Breite von 6 Metern aufweist“, so Sönke Eichhorn, Servicetrainer bei Tadano, „lässt es sich für den Transport einfach zusammenklappen, sodass es nicht als Schwertransport gilt.“
Da der Kran direkt vom Hafen zur Baustelle geliefert wurde, entsprach die Reihenfolge der angelieferten Komponenten nicht ganz dem Ablauf, den Maxim Crane normalerweise bei einem Wechsel von einer anderen Baustelle oder dem eigenen Betriebshof gewählt hätte. Dies führte jedoch zu keiner Verzögerung bei der Montage; das Team von B&B war beeindruckt davon, wie schnell der Aufbau vonstattenging.
„Die Anlieferung und Bereitstellung der Teile verliefen äußerst effizient. Jedes Bauteil konnte noch am selben Tag oder kurz darauf montiert werden“, erinnert sich Donatelli. „Der vorgegebene Zeitrahmen für die Montage wurde sogar um fast eine Woche unterschritten. Das war eine sehr effiziente Leistung – besonders wenn man bedenkt, dass es sich um das erste Modell handelte und sowohl Maxim als auch das Kranmodell selbst hier ihre ersten Erfahrungen sammelten.“
Durchführung der Hübe
Der neue Tadano CC 78.1250-1 bietet einen Hauptausleger von bis zu 209 Metern Länge. Für dieses Projekt kamen ein 74 Meter langer Hauptausleger mit 48 Meter Wippspitze zum Einsatz. Das Team bestückte den Kran mit 208 Tonnen Gegengewicht am Oberwagen sowie 20 Tonnen Zentralballast. Die Superlift-Konfiguration umfasste einen 42 Meter langen Superlift-Mast bei einem Radius von 21 Metern sowie 540 Tonnen Gegengewicht auf dem Split-Tray.
„Es gab Einschränkungen hinsichtlich des Arbeitsbereichs für den CC 78, weshalb der Einsatz des Split-Trays erforderlich war“, sagt Josh Adamidis, Kranführer bei Maxim Crane. „Für diesen Auftrag war die Kombination aus Split-Tray und Trailer die sinnvollste Lösung.“
Rydbom erklärt, dass das Split-Tray-Konzept die Effizienz steigert, da sich nicht mehr benötigte Gegengewichte – etwa solche, die für die Auslegermontage erforderlich waren – schnell abkoppeln lassen. „Unsere Schnellkupplungstechnologie vereinfacht das Ablegen der Gegengewichte, reduziert den Personalbedarf und optimiert die Arbeitsabläufe“, sagt er.
Tadano unterstützte das Team mit Anweisungen zur Kranbedienung. Steiner, einer der ersten Bediener des CC 78.1250-1, merkte an, dass die Einarbeitung in das Tadano IC-1-Steuerungssystem relativ einfach war. „Das System ist hochmodern, aber nicht kompliziert“, sagte er. Eichhorn ergänzte: „Die Kranführer von Maxim haben sich sehr schnell in die Bedienung eingearbeitet.“
Steiner bemerkte das direkte Ansprechverhalten des Krans bereits beim Aufnehmen der Last. „Der Kran reagiert sehr direkt, ist komfortabel und arbeitet präzise. Man kann die Last zentimeterweise absenken, den Ausleger um Bruchteile eines Zolls bewegen und den Oberwagen in sehr kleinen Schritten nach links oder rechts schwenken“, sagt er. Für Komfort sorgt das „S-Pace“-Kabinendesign von Tadano; mit einer Breite von 1,6 m ist die Kabine 33 % breiter als frühere Ausführungen. „Man kann problemlos 10 oder 12 Stunden am Tag in der Kabine verbringen. Es ist eine sehr komfortable Maschine“, ergänzt Steiner. „Zudem bietet die Kabine eine hervorragende Rundumsicht. Aus jedem Winkel hat man einen guten Blick.“
Der Plan sieht vor, dass der erste Hub von einem der ehemaligen Schornsteinfundamente aus erfolgt. Von dort aus führen die Bediener 13 Hübe durch, bevor sie zu einem weiteren Schornsteinstandort wechseln, um dort weitere 13 bis 16 Hübe zu absolvieren. Ein dritter Standort ist für den abschließenden Ausbau der Schlauchfilteranlagen vorgesehen. „Der bisher schwerste Hub lag bei rund 294 Tonnen“, berichtet Steiner. Auch wenn dies für den neuen Tadano-Kran zunächst nicht nach einer gewaltigen Last klingt, erklärt Steiner: „Aufgrund der gewählten Aufstellung entsprach dies einer Auslastung von 90 % – doch der Kran bewältigte die Aufgabe mühelos.“
Maxim Crane rechnet damit, dass der CC 78.1250-1 für den Rückbau der Schlauchfilteranlagen etwa sechs Monate vor Ort im Einsatz sein wird; längere Stillstandzeiten des Krans werden nicht erwartet. „Wir verzeichnen großes Interesse und zahlreiche Anfragen aus den Bereichen Raffinerie, Petrochemie sowie für Großprojekte und Stahlbauvorhaben in allen Teilen des Landes“, sagt Murray. „Die Aufnahme dieses Krans in unsere Flotte unterstreicht, dass wir uns auf die Entwicklungen in der Branche einstellen, in der Anlagen und Projekte immer größere Dimensionen annehmen. Wir haben uns für Tadano entschieden – auch aufgrund der partnerschaftlichen Zusammenarbeit unserer beiden Unternehmen.“